Nächste Niederlage

Es gab Redebedarf – allerdings nur intern. Sportvorstand Dominique Liggins wollte mit Trainer Andre Negron zunächst die 69:75 (51:53, 29:34, 11:12)-Heimniederlage der Basketballerinnen des ASC Mainz gegen die BSG Ludwigsburg analysieren, ehe er sich – vielleicht – mit einem Tag Abstand öffentlich äußern wolle (→ Ein bisschen Spaß muss sein). So ähnlich war das schon vor einer Woche nach der verlorenen Begegnung in Bamberg.

Auch Negron stand für Fragen nicht zur Verfügung. Zum dritten Mal in der laufenden Saison hatte der ASC gegen ein aktuelles Schlusslicht der Zweiten Bundesliga verloren. Das Schweigen der Verantwortlichen eröffnete natürlich Spekulationen Raum, obwohl der Sportvorstand zuletzt Negron das Vertrauen ausgesprochen hatte.

Eine Trainerdiskussion wollte allerdings auch Alina Dötsch nach der Schlusssirene nicht eröffnen. „Wir sind zusammen ein starkes Team, wir trainieren jeden Tag mindestens zwei Stunden“, sagte die Spielerin. „Daran liegt es auch nicht. Wir müssen uns einfach mal belohnen am Ende des Tages.“

Zur Halbzeit alles offen

Die Fragen aber blieben. Was war unmittelbar nach der Pause mit den Mainzerinnen los gewesen? In der ersten Hälfte waren sich die Kontrahenten über weite Strecken auf Augenhöhe begegnet. Die Gastgeberinnen verkürzten kurz vor Ende des zweiten Viertels auf 29:31 und hatten anschließend Glück, dass die Ludwigsburgerin Salma El-Haiwan, vor drei Jahren selbst noch eine ASClerin, nur einen von vier Freiwürfen verwandelte. Alles war offen.

Ins dritte Viertel aber stiegen die Mainzerinnen mit einer rabenschwarzen Phase ein. Nicht mit Fehlwürfen, sondern mit Fehlpässen brachten sie die Gegnerinnen in Ballbesitz. Mit haarsträubenden Aussetzern im Aufbau erlaubten sie ihnen eine 8:0-Serie zum 29:42.

Eindrucksvoll zurückgekommen

„Ich kann mir das echt nicht erklären“, sagte Dötsch. „Wir hatten noch in der Kabine gesessen und uns gesagt: Wir sind ready.“ Doch nach dem ersten Turnover gleich den nächsten zu kassieren, führe zu Verunsicherung.

Einen ganz anderen Eindruck hatte Leonie Elbert von der Teambesprechung. „Wir haben uns in der Pause hängenlassen“, sagte die Spielmacherin, die erst im Dezember aus Ludwigsburg ans Theresianum gewechselt war. „Wir waren nicht fokussiert.“

Bis auf 14 Punkte wuchs der Rückstand an (35:49), ehe der ASC ein eindrucksvolles Comeback einleitete. Plötzlich waren die Rollen komplett vertauscht: Negrons Frauen machten unter ihrem Korb dicht, ließ die Gegnerinnen nicht mehr zum Abschluss kommen und jagten ihnen den Ball ab. Der Gleichstand war beim 51:51 wieder hergestellt. Dass die BSG nach Abschluss Durchgangs mit zwei Punkte vorne lag, schien verschmerzbar. Wenig sprach dagegen, dass die Gastgeberinnen in den letzten zehn Minuten ihren Lauf fortsetzen würden, der Code der Schwäbinnen schien geknackt.

Aufkommende Nervosität

Aber: Erneut schlichen sich Fehler ins Spiel des ASC ein; so knapp wie beim Stand von 57:59 sollte es nicht mehr werden. „Das Problem war, dass Ludwigsburg ein paar gute Würfe getroffen hat“, versuchte sich Dötsch an einer Erklärung. „Bei uns sind ein paar nicht reingegangen.“ Tatsächlich waren Luzie Marie Hegeles Dreier zum 57:62 und 61:69 Wirkungstreffer.

Elbert machte eine weitere Ursache dafür aus, dass ihr Teams nachließ: die aufkommende Nervosität. „Das liegt nun einmal daran, dass wir die letzten Spiele verloren haben.“ Niemand habe mehr Verantwortung übernehmen wollen, nichts sei mehr zusammengelaufen. Sie selbst musste beim Stand von 64:72 rund 50 Sekunden vor Schluss in Zeitnot aus großer Distanz einen Wurf nehmen, der sogar unterm Brett durchflog. Der Rest war Verzweiflung.

Maximal eklige Defense

Dabei waren die beiden Kontrahenten gar nicht so unterschiedlich aufgestellt. Stärken hatten beide in der Defensive, wobei der ASC sogar noch eine Spur effektiver agierte. Dessen Abwehrarbeit war in der ersten Hälfte maximal eklig. Mit einem Rückstand in die Pause zu gehen, war unnötig. Im weiteren Verlauf jedoch ließen die Mainzerinnen im Kampf um den Ball etwas nach. „Die Schiedsrichter haben alles gepfiffen, wir mussten aufpassen“, erläuterte Elbert. Dötsch ergänzte: „Die besten Defensivspielerinnen saßen zeitweise auf der Bank. Wir konnten unsere aggressive Spielweise nicht durchziehen.“

Die Trefferquote des ASC lag zwar etwas über der in den zurückliegenden Partien, dennoch blieb viel Luft nach oben. Die Angriffsleistung beider Teams war nicht zwingend zweitligareif. Dass sie selbst nicht erfolgreicher war, führte Elbert auf ihre Ludwigsburger Vergangenheit zurück. „Die Trainer wussten, wie sie gegen mich spielen lassen müssen. Ich hatte nicht einen offenen Schuss.“

Eine schlüssige Erklärung für die Niederlage aber konnte auch sie nicht liefern. „Wir waren in der Defensive besser, wir sind das bessere Team. Aber wir zeigen es nicht.“

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