Deutscher Vize-Pokalsieger

Der 21. März wird zu einem historischen Tag in der ruhmreichen Vereinsgeschichte des USC Heidelberg. Schon das Erreichen des DBBL-Pokal Top4 war eine tolle Sache, nun wurde das auch noch mit der Endspielteilnahme gekrönt. Der große Favorit Rutronik Stars Keltern wurde in eigener Halle seiner Rolle gerecht und verteidigte mit 69:54 seinen Titel verdientermaßen. Aber die SNP BasCats USC Heidelberg sind deutscher Vize-Pokalsieger. Nachdem die Erfolge der Männer schon länger zurückliegen, ist dies der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte.

Als vor dem deutschen Basketball-Pokalfinale in Keltern die deutsche Nationalhymne erklang, da konnte man diesen ganz besonderen Moment für die SNP BasCats förmlich spüren. Dass sie zusammen mit dem hohen Favoriten Rutronik Stars Keltern in diesem Endspiel standen, das war eine riesige Überraschung. Ein rein badisches Finale – wann hat es das mal gegeben? Und von Beginn an machten sie klar, dass sie nicht nur zum Gratulieren gekommen waren. Ieva Bagdanaviciene verwandelte einen Distanztreffer, Britta Daub erhöhte auf 5:2. Dass die Heidelbergerinnen dann nicht länger am Ausnahmeteam von Keltern mit zwölf ausländischen Profis dranbleiben konnten, das lag an ihrer niedrigen Trefferquote.

Unter dem Korb war gegen diese ausgebufften und physisch starken Profis nichts zu holen. Eine Jasmine Thomas und eine Krystal Vaughn suchen in der Bundesliga ihresgleichen. Doch mit höchstem Einsatz entschieden die SNP BasCats das zweite Viertel mit 20:19 für sich. Ein 2:16-Lauf mit sieben Punkten von Thomas und sechs von Alexandria Elizabeth Kiss-Rusk entschied die Partie. 21 Punkte Rückstand waren es vor dem letzten Viertel.

Trotz des hohen Kräfteverlustes am Vortag ließen die SNP BasCats nicht nach. Alle kämpften, aber was beispielsweise eine Michala Palenickova an Energie und Einsatzwillen aufs Parkett legte, war einfach bewundernswert. Und Melina Karavassilis entdeckte plötzlich ihre Qualitäten beim Distanzwurf. Nachdem sie schon im zweiten Viertel einen hohen Dreier in der Reuse versenkt hatte, ließ sie im viertel Viertel binnen zwei Minuten noch zwei weitere Dreier folgen. 100% Trefferquote aus der Distanz und das in einem Finale – bemerkenswert. So beendeten die Heidelbergerinnen die Partie mit einem 8:0-Lauf und konnten die anschließende Siegerehrung mit Freude und erhobenem Kopf genießen.

Stenogramm: 2:5 (3.), 10:5 (5.), 20:8 (10.) 32:16 (16.), 36:17 (17.), 36:26 (18.), 39:28 (Halbzeit), 55:30 (25.), 61:40 (30.), 69:46 (34.), 69:54 (Endstand).

Rutronik Stars Keltern: Thomas 21/3, Vaughn 16, Kiss-Rusk 10, Mayombo 6, Cvitkovic 4/1, Mingo 4, Pokk 3/1, Deura 2, Pulk 2,  Nawezhi 1, Mandic.

SNP BasCats: Freije 14, Karavassilis 9/3, Wittinger 8, Butina 6, Bagdanaviciene 5/1, Moravcikova 5, Palenickova 5, Daub 2, Nash, Kleinert, Worthmann.

Rebounds: 40:31 (Keltern/SNP BasCats: Mandic 8, Thomas 6, Kiss-Rusk 6 – Freije 8, Moravcikova 5, Wittinger 5.

Wurfquote aus dem Feld: 48,8:34,1 %

Dreierquote: 27,8:20,0 % (5/18:4/20)

Freiwurfquote: 77,8:66,7 %

Ballverluste: 12:15

Stimmen zum Spiel:

Trainer Dennis Czygan: „Das Herz dieser Mannschaft macht mich einfach unheimlich stolz. Es war enorm, was wir gestern und heute aufs Parkett gebracht haben. Wieder haben wir bis zum Ende gefightet und waren ein würdiger Finalgegner. Keltern hat elf Spielerinnen, die nur für und vom Basketball leben. Sie haben es durchgezogen und uns nicht unterschätzt. Jasmine Thomas ist zurecht MVP geworden. Wir haben richtig gut angefangen, hätten aber besser treffen müssen, da wir viele freie Würfe hatten. Das 8:20 nach dem ersten Viertel war nicht nötig. Dabei haben wir gute Werferinnen, aber in dieser wechselvollen Saison ist der Wurfrhythmus verloren gegangen. Dann wird der Ball plötzlich ein paar Gramm schwerer und der Korb ein paar Zentimeter kleiner. Britta Daub hat gezeigt, dass sie eine von Deutschlands Top-Aufbauspielerinnen ist, auch Micha Palenickova hat heute wieder ein Superspiel gemacht. Aber alle haben großartig gekämpft.“

Co-Trainer Chris Baum: „Für uns war es der absolute Höhepunkt, hier im Finale zu stehen und ein Highlight in der USC-Vereinsgeschichte. Wir haben gezeigt, was wir können. Natürlich haben den Spielerinnen die Knochen vom Vortag wehgetan, schließlich war es gegen Osnabrück knapper und anstrengender als für Keltern gegen Wasserburg. Aber bei so einem Finale vergisst man das.“

Michael Rappe

Foto: Andreas Gieser